Tattoo blog

Was Nutten mit Tätowierern gemeinsam haben

(Interview Teil 2)

Aj avenue

15. August 2018

Zurück in der ältesten Tätowierstube in Deutschland. Zurück im Studio von Günter Götz.

Diese Woche redet der dienstälteste Tätowierer des Landes ganz offen mit uns über Fehler aus seiner Anfangszeit, Tattoo No-Go’s und verrät, was ihn an der Branche so richtig stört. All diejenigen unter euch, die den
ersten Teil unseres Interviews noch nicht gelesen haben, sollten das zunächst in aller Ruhe nachholen, bevor es hier mit Teil zwei weitergeht 😉

Q: Gerade Touristen verbinden mit St. Pauli vor allem die Rocker auf ihren Harley-Davidson Maschinen. In wie weit hast du Erfahrungen mit den „harten Jungs“ gemacht?

Ich habe vor langer Zeit das Hells Angels Symbol selbst gestochen und ein Mal übertätowiert. Mittlerweile haben diese Jungs ihre eigenen Tätowierer.

Q: Gibt es für Dich absolute Tattoo No-Go’s?

Im Grunde sind das Motive, die sich viele Minderjährige heutzutage stechen lassen wollen. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Leute mehr Zeit nehmen und genauer überlegen, was zu ihnen und vor allem zueinander passt, anstatt belanglos mit 18 Jahren ins nächste Tattoo-Studio zu laufen, und jedem neuen Trend zu folgen.

Ich tätowiere Minderjährige mit Einverständnis der Eltern. Dabei berate ich sie gern. Nur wenn jemand Scheiße baut, spreche ich das auch an. Die sollen in zehn Jahren schließlich auch noch sagen können „Der Alte hatte recht“.

Außerdem tätowiere ich keine Schriftzüge mehr. Bevor ich mir einen Spruch auf den Körper stechen lasse, sollte ich ihn lieber an die Wohnzimmerwand schreiben und schauen, ob ich ihn nach zwei Jahren immer noch sehen kann. Gefällt mir mein Schriftzug eines Tages doch nicht mehr, ist er unfassbar schlecht für ein Cover-up geeignet. Da bleibt nur noch die Option eines Blackouts.

Dazu kommt, dass Schriftzüge meinst so klein sind, dass ich sie aus drei bis vier Metern Entfernung so gut wie nie lesen kann. Da gibt es natürlich die Leute die sagen „Ich mache das für mich“. Ach ja? Also das Einzige was ich für mich schreibe sind Notizen und Einkaufszettel.

Q: Gibt es etwas an der Tattoo-Branche, das Dich so richtig stört?

Natürlich. Wenn ich eine Sache daraus gelernt habe, dann dass es kein „zu groß“ für Tattoos gibt. Viele junge Tätowierer halten die Linienabstände nicht richtig ein, da wächst das Motiv nach einigen Jahren zu einem grauen Mischmasch zusammen.

Dazu braucht man sich nur die Tattoos von älteren Leuten wie Hoffmann anzuschauen – da erkennst du kein Auge und keinen Schriftzug mehr. Auch ich habe früher geglaubt, alles richtig zu machen und später trotzdem die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn ich nach dreißig Jahren ehemalige Kunden mit zusammengewachsenen Tattoos gesehen habe.

Q: Hast Du in deiner Zeit als junger Tätowierer auch mal Fehler gemacht?

Dazu muss man die Geschichte in Betracht ziehen. Im Dritten Reich war das Tätowieren verboten. Meine Eltern sind in dieser Zeit aufgewachsen. Tätowierte waren nur im KZ. Die galten zur damaligen Zeit als Verbrecher. Ich habe ebenfalls in einer Zeit mit meiner Arbeit begonnen, in der das Tätowieren noch einen sehr schlechten Ruf hatte.

Mit MTV und VIVA kam in den 90er Jahren dann ein totaler Hype – und damit auch viele Tätowierer. Das Prinzip hat sich bis heute nicht geändert. Ich kaufe mir eine Tätowiermaschine, laufe zum nächsten Ortsamt und melde meinen Laden an.

Dazu braucht man keine Ausbildung, keinen Nachweis, keine Hygiene – nichts. Das ist etwas, was ich schon seit Ewigkeiten fordere und was unbedingt kommen muss: Grundvoraussetzungen für jeden, der Tätowierer werden will. So jemand muss bestens über Haut, Technik und Hygiene Bescheid wissen. Das gilt im Übrigen genauso für Permanent Make-up Künstler.

Das hat damals sowie heute dazu geführt, dass es viele Künstler gab und gibt, die einfach nur Scheiße bauen. Hauptsache, die Kohle stimmt. Und die Leidtragenden sind am Ende immer die Kunden.

Q: Zu guter Letzt: Was bedeutet es für Dich, auf dem Kiez zu arbeiten?

Um ehrlich zu sein: Ich hätte den Laden 1985 gerne in einer seriöseren Gegend aufgemacht. Aber das ging nicht, denn die Kunden haben uns hier gesucht. Trotzdem erfüllt mich diese Arbeit mit Stolz. Vor allem, dass ich Hoffman widerlegt habe.

Ich tätowiere jetzt seit 35 Jahren, Hoffmann hat 20 Jahre lang tätowiert. Er hat mir damals gesagt „Du wirst nie ein guter Tätowierer, weil du nicht volltätowiert bist.“ Ich glaube, das habe ich widerlegt.

Das Studio ist genauso mein Lebenswerk, wie das von Hoffmann und ich möchte auch, dass meine Nachfolger den Laden so weiterführen. Deshalb habe ich das Haus gekauft. Ich könnte auch drauf pfeifen. Eine Million oder anderthalb würde ich bestimmt dafür bekommen und könnte mir ein schönes Leben machen. Aber so viel Geld würde ich niemals ausgeben – nicht in meinem Alter zumindest, da müsste ich schon neunzig werden. Ich will nichts mehr, als den Laden und den guten Ruf erhalten. Das Geld ist zweitrangig.

P.S.Die Arbeit der ältesten Tätowierstube in Deutschland könnt ihr euch auf https://www.die-aelteste.de/ anschauen. Falls ihr Anregungen, Ideen oder Wünsche für Blog-Posts rund ums Thema Tattoo habt, schickt uns gerne eine Nachricht auf Facebook oder eine E-Mail an: jules@mommyimsorry.com

Wir verwenden eigene Cookies und Cookies von Drittanbietern, um die Benutzung unserer Website zu verstehen und diese zu verbessern, die Inhalte Ihren Präferenzen anzupassen und unser Marketing sowie Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken zu personalisieren. Sie können alle Cookies akzeptieren, ablehnen oder nach Wunsch konfigurieren. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie.

Datenschutz-Präferenz-Center

Ihre Privatsphäre

Unbedingt notwendige Cookies

Analyse-Cookies

Funktions- oder Anpassungs-Cookies

Ihre Privatsphäre

Cookies und ähnliche Technologien spielen beim Betrieb unserer Plattform eine ausschlaggebende Rolle. Die Cookies dienen hauptsächlich dazu, das Browsen leichter und effizienter zu machen sowie unsere Serviceleistungen und die Plattform selbst zu verbessern. Des Weiteren verwenden wir Cookies, um Ihnen auf Ihre Vorlieben zugeschnittene Werbung anzuzeigen, wenn Sie die Websites oder Apps Dritter besuchen. Hier finden Sie ausführliche Informationen über die Cookies, die wir verwenden. Auch können Sie die Cookies je nach Wunsch aktivieren und/oder deaktivieren, außer jener, die für den Betrieb der Plattform unbedingt notwendig sind. Bitte beachten Sie, dass die Deaktivierung gewisser Cookies Ihre Erfahrung mit der Plattform und deren Betrieb beeinträchtigen könnte.

Unbedingt notwendige Cookies

Diese Cookies sind für das Funktionieren der Website erforderlich und können in unseren Systemen nicht deaktiviert werden. Sie werden normalerweise nur als Reaktion auf von Ihnen getätigte Aktionen gesetzt, die einer Dienstanforderung entsprechen, wie etwa dem Festlegen Ihrer Datenschutzeinstellungen, dem Anmelden oder dem Ausfüllen von Formularen. Sie können Ihren Browser so einstellen, dass diese Cookies blockiert oder Sie über diese Cookies benachrichtigt werden. Einige Bereiche der Website funktionieren dann aber nicht.

Immer aktiv

Analyse-Cookies

Diese Cookies ermöglichen es uns, Besuche und Verkehrsquellen zu zählen, damit wir die Leistung unserer Website messen und verbessern können. Sie helfen uns zu wissen, welche Seiten am beliebtesten und welche am wenigsten beliebt sind, und zu sehen, wie sich Besucher auf der Website bewegen. Alle von diesen Cookies erfassten Informationen werden aggregiert und sind daher anonym. Wenn Sie diese Cookies nicht zulassen, wissen wir nicht, wann Sie unsere Website besucht haben, und können ihre Leistung nicht überwachen.

Analyse-Cookies aktivieren

Funktions- oder Anpassungs-Cookies

Diese Cookies ermöglichen es der Website, erweiterte Funktionalität und Personalisierung bereitzustellen. Sie können von uns oder von Drittanbietern gesetzt werden, deren Dienste wir auf unseren Seiten verwenden. Wenn Sie diese Cookies nicht zulassen, funktionieren einige oder alle dieser Dienste möglicherweise nicht einwandfrei.

Funktions-Cookies aktivieren